Haftpflichschaden

Wenn ein Unfallbeteiligter bei einem Verkehrsunfall nicht der Verursacher, sondern der “Geschädigte” ist, dann spricht man von einem sogenannten Haftpflichtschaden.

 

Dies bedeutet, dass der Verursacher des Unfalles den gesamten Schaden des Geschädigten, der durch dieses Ereignis entstanden ist, ersetzen muss (§ 249 BGB).

 

Folgende Rechte sind entweder durch gesetzliche Regelungen oder durch gefestigte Rechtsprechung für den Geschädigten vorgesehen:

 

1. Freie Wahl eines Kfz-Sachverständigen

 

2. Freie Wahl eines Rechtsanwaltes

 

3. Freie Wahl der Reparaturwerkstätte

 

4. Wahlweise Erstattung der Reparaturkosten

 

-fiktive Abrechnung-

 

5. Freie Wahl bei der Beschaffung eines Mietwagens

 

 

1. Freie Wahl eines Kfz-Sachverständigen

 

Die Kosten für die Inanspruchnahme eines eigenen Sachverständigen sind Bestandteil des Gesamtschadens und müssen von der gegnerischen Versicherung übernommen werden.

 

Dies gilt auch für den Fall, dass die gegnerische Versicherung ihrerseits bereits einen eigenen oder externen Sachverständigen beauftragt hat, bzw. dass ein entsprechendes Gutachten, das durch die Versicherung in Auftrag gegeben wurde, schon vorliegt.

 

Die Aufgaben des freien Sachverständigen stellen sich wie folgt dar:

 

 

- Beweissicherung

 

- Korrekte Ermittlung des Fahrzeugschadens

 

- Festlegung des Reparaturweges

 

- Festlegung der Reparaturdauer

 

- Ermittlung der Wertminderung

 

- Ermittlung des Wiederbeschaffungswertes

 

- Ermittlung des Restwertes (Totalschaden)

 

- Nachbesichtigung bei Ausweitung der Reparatur

 

- Reparaturbestätigung nach erfolgter Reparatur

 

- Nachbesichtigung bei Reparaturmängeln -Mängelrüge-

 

- Sachverständiger Zeuge bei gerichtlichen

 

Auseinandersetzungen

 

 

Die wesentlichen Vorteile eines “eigenen” Gutachtens sind wie folgt:

 

 

1. Die Erstellung eines Gutachtens dient zur Beweissicherung und genauen Feststellung der Schadenshöhe.

 

2. Das Gutachten gibt dem Geschädigten ein Dokument zur Hand, mit dem er seine Ansprüche gegenüber der

Versicherung sowohl aussergerichtlich als auch im Klageverfahren geltend machen kann.

 

3. Durch ein eigenes Gutachten verfügt der Geschädigte über ein Dokument, mit dem er auch eine

Kontrollmöglichkeit gegenüber der Werkstatt hat.

Bei mangelhafter oder unzureichender Ausführung der Reparatur kann z.B. der Sachverständige zur

Überprüfung der Reparaturqualität herangezogen werden.

Gängige Praxis ist, dass die meisten Geschädigten die Beauftragung eines Sachverständigen dem

Reparaturbetrieb überlassen.

Bei eingeschränkten Vertrauen in die Reparaturwerkstatt sollte jedoch keine Zustimmung zu dem von der

Werkstatt vorgeschlagenen Sachverständigen erteilt werden und eine Beauftragung selbst erfolgen.

 

4. Ein Schadensgutachten spielt auch eine erhebliche Rolle bei eventuellen gerichtlichen oder

außergerichtlichen Auseinandersetzungen, z.B. wenn das gegenständliche Fahrzeug vor Regulierung bereits

instandgesetzt oder zwischenzeitlich veräußert wurde.

 

5. Ein wesentlicher Punkt für die Beauftragung eines Sachverständigen ist auch die Abrechnung des Schadens

gemäß Gutachten.

Hierbei handelt es sich um den Fall, dass der Geschädigte das Fahrzeug nicht, oder im Moment nicht instand

setzen lassen möchte.

Die übliche Bezeichnung hierfür ist die fiktive Abrechnung. Bei dieser Abrechnungsform hat der Geschädigte

das Recht auf Erstattung der Reparaturkosten gemäß Gutachten (seit 01.08.2002 -neues-

Schadensersatzrecht nur noch der Nettofahrzeugschaden ohne MwSt).

 

Aus den oben genannten Gründen wird dringend empfohlen, die Auswahl und Beauftragung des Sachverständigen grundsätzlich selbst zu veranlassen, auch wenn Versicherer und Reparaturbetriebe dies verständlicherweise nicht wünschen.

 

Das Recht zur Erteilung eines Gutachtenauftrages obliegt einzig und allein dem Geschädigten.

 

 

2. Freie Wahl eines Rechtsanwaltes

 

Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass ein Großteil der abgewickelten Unfallschäden ohne Einschaltung eines Juristen für den Geschädigten ein unbefriedigendes Ergebnis erbracht haben.

Davon betroffen sind nicht nur komplizierte oder schwerwiegende Fälle mit Personenschaden, sondern auch in der Regulierung sogenannter "Kleinschäden" verschärfen sich die Konflikte mit den Versicherern.

 

Dies zum einen durch das Schadensmanagement der Versicherer und zum anderen, dass es in den letzten Jahren zu einem erheblichen Aufkommen von neuen Gerichtsurteilen gekommen ist

 

Die wenigen Urteile, die zugunsten der Versicherer ausgefallen sind, werden natürlich in der Auseinandersetzung mit den Geschädigten als “Waffe” eingesetzt, obwohl es meist ein vielfaches gegenteiliger Entscheidungen für die Betroffenen gibt.

 

Nur wer kennt schon sämtliche Urteile?

 

Diese Urteile sind in der Regel nur fachbezogenen Juristen bekannt, die sich täglich mit der Materie beschäftigen.

 

Der juristische Dschungel ist für den Laien heutzutage nicht mehr nachvollziehbar.

 

Hinzu kommt, dass die Versicherer im Bereiche der Schadensregulierung inzwischen ein Heer von Juristen beschäftigen.

 

Ein Geschädigter ist in der Regel unerfahren mit der Geltendmachung seiner berechtigten Ansprüche und im Falle auftretender Differenzen natürlich chancenlos gegen die juristisch gut ausgestattete Gegenseite.

 

Wesentlich bei der Beauftragung eines fachbezogenen Rechtsanwaltes ist, dass dieser sämtliche Ansprüche eines Geschädigten kennt wie z.B.

 

 

- Abschleppkosten

 

- Ersatzteilaufschläge

 

- Fahrzeugschaden

 

- Nutzungsausfall

 

- Schmerzensgeld

 

- Umbaukosten

 

- Unkostenpauschale

 

- Verbringungskosten

 

- Verdienstausfall

 

- Wertminderung

 

 

Um “Waffengleichheit” herzustellen, ist es für den Geschädigten heute unerlässlich, einen Rechtsanwalt seines Vertrauens zu beauftragen.

 

 

3. Freie Wahl der Reparaturwerkstätte

 

Ein Geschädigter kann die Instandsetzung seines Fahrzeuges grundsätzlich in einer Werkstatt seiner Wahl durchführen lassen.

Die Versicherung ist nicht berechtigt, auf die Auswahl des Reparaturbetriebes Einfluß zu nehmen.

Die Kosten für die Instandsetzung des Fahrzeuges müssen von der Versicherung übernommen werden, sofern sie sich im Rahmen eines seriösen Sachverständigengutachtens bewegen.

Die Abrechnung der Kosten für die Instandsetzung kann auf 2 Wegen erfolgen.

 

 

1. Der Geschädigte begleicht die Rechnung selbst und fordert die entstandenen Kosten bei der

eintrittspflichtigen Versicherung ein.

 

2. Der Geschädigte tritt die Rechte aus Forderung für die Reparaturkosten an den Reparaturbetrieb ab.

 

Die Werkstatt macht dann die entsprechenden Kosten direkt bei der Versicherung geltend.

 

 

4. Wahlweise Erstattung der Reparaturkosten

 

Für den Geschädigten ergibt sich außer der Reparatur im Fachbetrieb auch die Möglichkeit, den Schaden, den der Sachverständige in seinem Gutachten ermittelt hat, auszahlen zu lassen (Nettofahrzeugschaden ohne MwSt).

 

Dies bezeichnet man als “fiktive Abrechnung” oder Abrechnung gemäß Gutachten.

 

Abzüge von den ermittelten Kosten dürfen in der Regel nicht vorgenommen werden.

 

In den letzten Jahren versuchen Versicherer mit sogenannten Kürzungsprotokollen irgendwelcher externer Fremd- und/oder Tochterunternehmen die Kalkulationen freier und (versicherungs-) unabhängiger Schadensgutachter "anzugreifen", indem diverse Positionen in Abzug gebracht werden, die dem Geschädigten aufgrund bestehender Gesetzeslage und höchstrichterlicher Rechtsprechung zustehen.

 

Es handelt sich hierbei im wesentlichen um Verbringungskosten, Ersatzteilzuschläge und um Abzüge bei den Lohnkosten der vertragsgebundenen Fachwerkstätten, indem man die Lohnkosten billigerer Werkstätten entgegen hält.

 

Im wesentlichen handelt es sich bei diesen "Billigwerkstätten" um die Partnerwerkstätten der Versicherer.

 

Sollte die Versicherung Abzüge vornehmen, empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Sachverständigen, der das entsprechende Gutachten angefertigt hatte.

 

Er entscheidet letztendlich, ob vorgenommene Abzüge seitens der Versicherung ggf. einer Rechtfertigung unterliegen, oder ob dieser Abzug willkürlich vorgenommen wurde.

 

 

5. Freie Wahl bei der Beschaffung eines Mietwagens

 

 

Der Geschädigte hat grundsätzlich das Recht auf Inanspruchnahme eines Mietwagens für den Zeitraum, in dem sein Fahrzeug instandgesetzt wird (Reparaturschaden), bzw. für den Zeitraum zur Beschaffung eines Ersatzfahrzeuges (Totalschaden).

 

Der jeweilig erforderliche Zeitraum wird durch den Sachverständigen im Gutachten festgelegt.

 

Im Rahmen der Schadensminderungspflicht muss der Geschädigte nur darauf achten, dass die erforderlichen Kosten für den Mietwagen sich im “üblichen” Rahmen bewegen.

 

Hierzu ist es erforderlich den sogenannten "Normaltarif" bei der Anmietung zu verlangen, da der "Unfallersatztarif" über dem Normaltarif liegt und die Rechtsprechung den Unfallersatztarif nur in Ausnahmefällen zulässt.

 

Außerdem ist darauf zu achten, dass sich das Mietfahrzeug ggf. eine “Fahrzeugklasse” unter dem verunfallten Fahrzeug befindet.

 

Bei Unklarheiten hinsichtlich der Fahrzeugkategorie empfiehlt sich die Rücksprache mit dem Sachverständigen oder dem zuständigen Rechtsanwalt.

 

Die Abrechnung der Kosten für die Inanspruchnahme des Mietwagen kann analog den Reparaturkosten auf zwei Wegen erfolgen.

 

1. Der Geschädigte begleicht die Rechnung bei der Mietwagenfirma selbst und fordert die entstandenen Kosten

bei der eintrittspflichtigen Versicherung ein.

 

2. Der Geschädigte tritt die Rechte aus Forderung für Mietwagen an die Mietwagenfirma ab.

 

Die Mietwagenfirma macht dann die entsprechenden Kosten direkt bei der Versicherung geltend.